Außergewöhnliche Naturlandschaften, die das Interesse von Reisenden wecken, sind selten ‘unberührt’. Viel mehr zeigt sich gerade an diesen Orten auch kultureller Reichtum. Die teils traditionelle—und manchmal auch alternativlose—Nutzung natürlicher Ressourcen bewirkt, dass die Lebensweise der lokalen Bevölkerung oftmals kulturell und wirtschaftlich eng mit der sie umgebenden Landschaft verbunden ist. Insbesondere trifft dies auf Wälder und Küstengebiete zu, die von Landwirtschaft und Sammelwirtschaft (wie z.B. Fischfang) geprägt sind. So sind Erhaltung und nachhaltige Nutzung dieser Landschaften ganz besonders von den Gemeinden vor Ort abhängig.

Für den Tourismus bietet sich hierbei die Chance, dass Naturerlebnisse komplementiert werden können durch kulturelle Einblicke. Die willkürliche Trennung zwischen Natur und Mensch wird so in Frage gestellt werden und erlaubt den Reisenden tiefgehendere und umfassendere Erfahrungen. Für Gemeinden kannTourismus so alternative Tätigkeiten und Einkommensmöglichkeiten bieten, die letztendlich der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Landschaft zu Gute kommt.

Solche Tourismuskonzepte sind jedoch inkompatibel mit großen Reisegruppen, und darüber hinaus mit externen Dienstleistern allein nicht umzusetzen. Außerdem besteht die Gefahr, dass bei unbedachtem Tourismus wenig Rücksicht auf die lokale Bevölkerung genommen wird. Dadurch werden mitunter vor Ort Interessenkonflikte und finanzielle Ungleichgewichte erzeugt oder verstärkt—was sich schließlich auch negativ auf die nachhaltige Nutzung der Landschaft auswirken kann. Und wenn diese Art von Tourismus die lokale Bevölkerung überhaupt miteinbezieht, so besteht die Gefahr, dass sie als bloßes Schauobjekte aufgefasst wird.

Gemeindebasierter Ökotourismus (community-based ecotourism) stellt bei der Ausarbeitung von Tourismuskonzepten die lokale Bevölkerung und ihre Identität in den Mittelpunkt. Die Kontrolle über Umsetzung und Inhalt dieser Konzepte bleibt bei den Gemeinden selbst. Als umweltökonomisches Instrument kann Tourismus so zur nachhaltigen Nutzung wichtiger Ökosystemdienstleistungen beitragen. Wie bei anderen Arten der PES (Payments for Ecosystem Services) ist hier jedoch große Aufmerksamkeit für Details der Umsetzung geboten (siehe Essay ‘Valuing Nature’s Capital’).

Konzepte des gemeindebasierten Ökotourismus beinhalten vorrangig folgende Aspekte:

  • Gemeinden vor Ort stellen grundsätzlich die erste Anlaufstation für die touristische Erschließung einer Region dar.
  • Sämtliche Aspekte eines Tourismuskonzepts werden in Zusammenarbeit mit der Gemeinde selbst (bzw. innerhalb einer dort verantwortlichen Gruppe von Bewohnern) ausgearbeitet, verhandelt, und umgesetzt. Das betrifft unter anderem die Anzahl der Touristen, die Häufigkeit der Besuche, die Art der Unterbringung und Verpflegung, die Auswahl lokaler Touren und Rundgänge; sowie allgemein die Erhebung und Verteilung Einkünfte.
  • Externe Dienstleister und Organisationen (z.B. Agenturen, Hotels, NGOs), beteiligen sich an der Ausarbeitung vor allem in beratender Funktion. In der Durchführung nehmen sie (falls notwendig) logistische und organisatorische Funktionen war (z.B. Bustransfers von Reisenden).
  • Touristische Aktivitäten sind in den übergeordneten Managementplan der Region eingebettet, und können so die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen unterstützen.